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 Blutiger ethnischer Konflikt in Äthiopien

Bei der Invasion eines Oromodorfes  wurden in der Nacht zum 17. Mai zahlreiche Menschen getötet, verstümmelt und vergewaltigt.

In der vergangenen Woche kam es zu einem beispiellosen ethnischen Konflikt zwischen zwei benachbarten und befreundeten ethnischen Gruppen (Oromo und Gumuz) in der Zone Ost-Wollega im Westen Äthiopiens. Ost-Wollega gehört zum Regionalstaat Oromia und grenzt an die Zone Kamashi des Regionalstaates Benishangul-Gumuz. Der Zwischenfall ereignete sich in den Teilen Ost-Wollegas, die an der Grenze zum Bezirk Sugee in der Zone Kamashi rund 350 km westlich von Addis Abeba liegen. Die Situation entstand im Zusammenhang mit einer schweren Hungersnot und Nahrungsmittelknappheit im gesamten Land. Unserem Team liegen keine Angaben über die Art und die Schwere des Schadens vor, welcher der angreifenden Seite entstanden ist, da das Gebiet unzugänglich und außerhalb der Reichweite der Verwaltung ist. Uns liegen ebenfalls keine Angaben über die eigentlichen Motive der Invasion und die unmittelbaren Gründe vor.

 

 

Bisher können die beiden Gruppen auf eine lange Geschichte der friedlichen Koexistenz und Zusammenarbeit zurückblicken. Seit der Übernahme der föderalen Regierungsstruktur in Äthiopien im Jahre 1991 begannen die beiden Gruppen jedoch in gewissem Maße gegenseitiges Misstrauen und Hass zu entwickeln, was auf Streitigkeiten über Gebietsgrenzen zurückzuführen ist. Bisher ereigneten sich keine wesentlichen Zusammenstöße, bis schließlich am 17. Mai 2008 eine große Anzahl gut bewaffneter Kräfte aus dem Regionalstaat Benishangul-Gumuz plötzlich unvorbereitete Oromo am frühen Morgen angriff, noch ehe sie aus dem Nachtschlaf erwacht waren. Da die Angreifer mit Kalaschnikows und anderen schweren Maschinengewehren bewaffnet waren und es sich dabei um gut ausgebildetes Militärpersonal handelte, führte dies zu schweren todbringenden Verlusten bei den noch schlafenden Oromo-Zivilpersonen.

Über Konflikte wurde aus den folgenden Teilen Ost-Wollegas berichtet:

 

Bezirk Saasiggaa , insbesondere in Haroo Waataa, Camp 4, Camp 5, Camp 8 und Dörfer in Baloo, Bezirk Limmu, insbesondere im Dorf Arqumbee; sowie in anderen Gebieten (keine klaren Ortsangaben): 7 Dörfer in Amba und 10 in Mandar. Der Konflikt breitet sich noch immer in andere Gebiete der Region weiter aus.

 

 

 

2. Ausmaß der Angriffe

Bei den Angriffen der Eindringlinge wurden Menschen Körperteile abgetrennt (Arme, Beine und andere Organe von Kindern, Brüste von Frauen, männliche Genitalien), es wurden Kehlen durchgeschnitten, Häuser und sonstiger Besitz niedergebrannt. Es kam zu Plünderungen von Besitz und Viehbeständen, Vergewaltigung von Frauen und Kindern, sowie zur massenhaften Verbrennung von Leichen, um zu verhindern, dass Informationen darüber nach außen dringen. In völlig befremdlicher Weise greifen die Invasoren insbesondere den männlichen Teil der Gesellschaft an. Müttern werden die Babys vom Rücken gerissen und getötet, um anschließend die Mütter zu zwingen, das Fleisch ihrer eigenen Babys zu essen.

 

 

Der Zugang zu Informationen wurde bewusst erschwert, und zwar nicht nur durch die Mörder selbst, sondern auch durch die staatlichen Strukturen. Nur für einen kleinen Teil der Opferbevölkerung (im Bezirk Saasiggaa) gelingt es, an Informationen herankommen, und auch nur für eine begrenzte Anzahl von Tagen der Zwischenfälle (17. – 19. Mai 2008). Wichtigen Informanten und Opferfamilien zufolge, deren Namen aus Sicherheitsgründen der hier nicht veröffentlicht werden, führten die Zwischenfälle zu den folgenden Verlusten:


3. Folgen des Konfliktes

 

 

3.1. Verlust von Menschenleben

 

 

Die Anzahl der bis zum 19. Mai getöteten Oromo-Zivilisten in den oben genannten Gebieten wird auf insgesamt 400 geschätzt. Allein im Dorf Haroo Waataa in Sasiggaa wurden 65 Menschen getötet. Bei den Toten handelt es sich meist um Jungen und ältere Menschen. Nur 115 Leichen wurden gefunden, die in insgesamt nur 4 Gräbern begraben waren (mit je 40, 30, 25 und 20 Leichen). Die übrigen Leichen - die meisten davon verbrannt oder von Hunden oder Hyänen angefressen - werden nach und nach entdeckt.

 

 

Die nachstehende Liste umfasst die Namen von einigen der Getöteten im Bezirk Saasiggaa. Alter und weitere Identifikationsmerkmale der Opfer konnten bisher nicht festgestellt werden.

            a)     Tasfaayee Qana'aa

b)    Waq-gaarii Deetii

c)     Boggaalee Waaqtolee

d)    Salbaanaa Galataa

e)     Kabbadee Salbaanaa

f)     Fiqaaduu Salbaanaa

g)    Fayyisaa Wadaajoo

h)     Tarrafaa Nagaraa

i)      Badirii Jamaal

j)      Samue'el Waanee

 

 

3.2  Verletzte

 

 

Angaben der Hauptinformanten zufolge erhielten bis zum 19. Mai 40 der schwerverletzten Oromo-Zivilpersonen medizinische Behandlung im Krankenhaus Nekemte. Die Namen von nur sieben

[1] Personen davon, alle aus dem Dorf Haroo Waataa, sind nachstehend aufgeführt:

 

A)    Saamu'el Tolasaa

B)    Daani'el Dhaabaa

C)    Adam Muhaammad

D)    Darajjee Fiqaaduu

E)    Addaamuu Imaanaa

F)    Warkinesh Fiqaaduu

G)    Abraham Mallasaa

 

 

3.3 Verlust von Besitz

Es liegen keine zahlenmäßigen Angaben über das Ausmaß des Besitzverlustes infolge des Konfliktes vor. Generell kam es jedoch in drei Dörfern in Saasiggaa, darunter Haroo Waataa und Baloo, zu folgenden Schäden: Zerstörung von Behausungen und Inventar, niedergebrannte Felder, von den Invasoren geplünderte Viehbestände. Ähnliche Verluste entstanden Berichten zufolge auch in anderen von dem Konflikt betroffenen Orten.

 

 

3.4 Vertreibung

 

 

Die seit dem Einsetzen des Konfliktes am 17. Mai 2008 fliehende Zivilbevölkerung der betroffenen Gebiete ließ ihre Wohnungen und ihren Besitz zurück. Bis zum 21. Mai sollen mehr als 12.000

[2] Menschen ihre Wohnungen verlassen haben und in der Stadt Nekemte und in einer Grundschule im Bezirk Saasiggaa untergebracht worden sein. Einem Hauptinformanten zufolge leistet das Äthiopische Rote Kreuz ein Mindestmaß an grundlegenden lebensrettenden Hilfsmaßnahmen für die Opfer.

 

4. Maßnahmen der Regierung zur Eindämmung des Konflikts

 

Nach äthiopischem Recht ist Waffenbesitz für Zivilpersonen im Allgemeinen unzulässig. Daher ist die Oromo-Zivilbevölkerung völlig unbewaffnet. Im Gegensatz dazu sind auch einfache Gumuz bewaffnet. Die bewaffneten Invasoren haben diese Gelegenheit als Quelle für Waffennachschub für die weiteren mörderischen Angriffe genutzt. Es wurde jedoch sowohl auf regionaler Ebene als auch auf Bundesebene gezögert, einzugreifen und den Konflikt zu stoppen. Obwohl die Bundesregierung ihre Truppen stationiert hat, sahen diese den um sich greifenden mörderischen Angriffen tatenlos zu, statt ihnen Einhalt zu gebieten. Sie verhinderten erfolgreich, dass Oromo aus den umliegenden Dörfern und die lokalen Milizen den Opfern zu Hilfe eilen und sich selbst verteidigen konnten. Die meisten der Verluste (sowohl von Menschen als auch von Besitztümern) ereigneten sich im Beisein der Bundestruppen. 

 
 

Die Situation wurde noch dadurch verschlimmert, dass die Regierung systematisch den Zugang zu diesen Informationen verhindert hat, indem Informationssuchenden der Zugang zu den Opfern und den zerstörten Gebieten verwehrt wurde. Weder die Regierungsmedien noch die freie Presse hat die Öffentlichkeit über diese Zwischenfälle unterrichtet.

 

5.  Schlussfolgerungen / Zukunftsorientierung

 

Das Problem stellt eine ernsthafte Bedrohung für den Frieden und die Sicherheit des Landes im Allgemeinen und für die beiden benachbarten Regionen im Besonderen dar. Es handelt sich dabei um eine schwere und sehr ernste Verletzung von Menschenrechten. Wir appellieren daher an die Weltgemeinschaft im Allgemeinen und an die Empfänger dieses Appells im Besonderen, diese Vorfälle weltweit öffentlich bekannt zu machen und Druck auf die äthiopische Regierung auszuüben, um sofortige und sinnvolle Maßnahmen zu ergreifen, die Gewalt zu stoppen und die Grundversorgung der Opfer zu gewährleisten sowie das Problem einer nachhaltigen Lösung zuzuführen. Weiterhin empfehlen wir der äthiopischen Regierung und der Weltgemeinschaft nachdrücklich, die Täter vor Gericht zu stellen und die Opfer und ihre Familien zu entschädigen.


[1]

    Im Originaltext tatsächlich "six", obwohl sieben Namen aufgelistet wurden.

[2]     Im Originaltext Zahlenangabe: "12,0000"